Manuel Andrack über das Sein

Manuel Andrack, Autor, Wanderer und Wasserspender

Vor einem Interview über das Sein sollte man unbedingt das magische Buch von Ralf Sotscheck und Harry Rowohlt mit dem für Flann O´Brien-Kenner sofort erklärlichen Titel „In schlucken zwei Spechte“ gelesen haben. Manuel ist komischerweise jemand, der sich an diesem wunderbaren Werk noch nicht delektiert hat. Macht nichts, wie man hier lesen kann.

Konrad: Leben ist…

Manuel: … die Gesamtheit allen Seins, allumfassend. Ich bin Epikuräer – das Leben sollte also möglichst unterhaltsam, glücksbringend sein.

Konrad: Spaß ist…

Manuel: … wenn wir uns gut dabei fühlen. Echter Spaß darf nicht nur lebensnotwendig, sondern muss auch geistvoll sein. Nicht nur Fips Asmussen, sondern mindestens Harald Schmidt… Spaß kann man ja auch auf einer Beerdigungsfeier haben – wo man sich an schöne Momente mit den Verstorbenen erinnert.

Konrad: Trinken ist…

Manuel: … man verdurstet, wenn man es sein lässt. Und dann gibt es ja noch den Alkohol. Dessen Genuss kann entspannend sein, aber auch anstrengend. Anstrengend dann, wenn das nächste Bier nicht kalt ist oder der Service noch unrund läuft.

Konrad: Schönheit ist…

Manuel: … oft überbewertet. Sie liegt eben nicht im Auge des Betrachters. Bei meinen Wanderungen habe ich vielmehr bemerkt, dass auch das auf den ersten Blick nicht Schöne seine Reize haben kann. In der Nähe von Marseille beispielsweise gibt Industrieruinen, die sich bei näherem Hinsehen als Arenen entpuppen, in denen mal Glen Miller gespielt hat. Vor US-Truppen, die sich seinerzeit noch von hier aus statt über den Kanal auf die Invasion Nazi-Deutschlands vorbereiten sollten. Dieses Areal hatte sich die Natur zurückerobert. Es wieder sichtbar zu machen, ist genau die Schönheit, die ich meine. Danke an dieser Stelle übrigens an den Artiste Promeneur Hendrik Sturm (Anm. d. Red.: sh. Interview vom 11. Mai 2018), mit dem ich diese Marseiller Industrieruinen-Wanderung damals gemacht hatte!

Konrad: Wandern ist…

Manuel: … unabdingbar! Früher notwendig, weil der Müller von A nach B gehen musste, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Heute für mich ähnlich notwendig, weil Teil meines Lebensglücks.

 

Manuel Andrack http://manuel-andrack.de/, http://www.andrackblog.de/

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