Alles nette Leute.

Eine der letzten Eckkneipen in Düsseldorf: Im Eingang rechts neben dem Autor: Monika Frohburg. Foto: Stefan Wozniak, Düsseldorf

Das Fortuna-Eck bei Moni (Monika Frohburg) auf der Hoffeldstraße in Düsseldorf Flingern ist keine normale Kneipe und daher auch nicht nur ein bloßer Ort. Es ist vielmehr ein Wallfahrtsort. Und zwar für Leute, denen Lourdes zu weit weg und zu heilig ist und die ihre Inbrunst für das Übernatürliche nicht nur in Beten und Kasteien ausüben, sondern auch in Trinken und Feiern. Bei Moni geht das. Sie ist Wirtin, dies schon im 32. Jahr im Fortuna-Eck, und ihr ist immer nur eins wichtig: Dass ist, was muß. All die Künstler, Nachbarn, Musiker, Handwerker und Leute, die ihr Lokal besuchen – und zum Teil sehr intensiv besuchen! – meist aber ganz normal lecker Bierchen trinken oder kleine Geburtstagsfeiern an Wochenenden machen, sind ihr lieb, aber nicht teuer. Und dass hier die Leute von den Toten Hosen, Fehlfarben oder Cryssis ein- und aus gingen, klingt auf den ersten Blick verwunderlich, ist auf den Zweiten aber vollkommen klar. Schließlich ist das Fortuna-Eck Institution.

Konrad Buck: Moni, alles klar heute bei dir?

Monika Frohburg: Natürlich. Bei mir ist immer alles klar. Und was nicht klar ist, wird klar gemacht. Bei mir gibts auch keine Ungereimtheiten. Ich bin auch ein ehrlicher Mensch. Ob das einem passt oder nicht, ich sage immer: Issed oder issed nit? 

Was ist wichtig im Leben?

Gesundheit, Familie, gute Freunde. Sowas ist wichtig. Und ich möchte , dass sich die Leute hier genau wie ich wohlfühlen. 

Was geht dir schon mal mächtig auf die Nerven?

Da fällt mir im Moment überhaupt nichts ein. Wenn mich einer ärgert, das kommt aber höchst selten vor, dann geht der mir auf die Nerven. Und das geht auch direkt raus! Aber, im Prinzip, geht mir gar nix auf die Nerven. Höchstens, das Einzige, was mich so richtig nerven kann, ist wenn sie dir alle mit ihren Handys vor der Nase rumgehen. Das sind so Sachen, wo ich schon mal sage, mach das Ding mal aus. Es betrifft mich ja nicht. Ich könnte das zwar, aber ich hab es nicht. Ich will entweder mit den Leuten telefonieren oder denen ne SMS schicken. Alles andere interessiert mich nicht. Ich meine, es ist der Lauf der Zeit. Das brauchen Leute, die es arbeitsmäßig ab und zu nutzen, OK. Aber dass die Leute dann ständig mit Handy rumrennen … ich glaub, dass das der Trend ist. Ich wehre mich nicht gegen die Neuheiten der Zeit, aber das ist schon manchmal ein bisschen nervig.

Moni im Driver Seat der Flingeraner Spass-Kaschemm’, Foto: Stefan Wozniak, Düsseldorf

Wann gehts dir gut?

Toi toi toi (klopft auf den Tresen), eigentlich geht es mir immer gut. Es geht mir gut, wenn ich mit meiner Familie zusammen bin, oder auch hier mit meinen Freunden, das ist ja auch Familie. Die fühlen sich ja auch hier wohl. Viele meiner Gäste sagen „mein Zuhause“. Wie das jetzt war, mit der Petition gegen die Schließung (Die Mieterhöhung, die drohende Schließung, die Unterschriftenaktion und schließlich der Besuch des Düsseldorfer OB Thomas Geisel. Anm. d.Red.), da haben alle mitgemacht. Das baut dich ja auch auf. 

Was hat Flingern, was dem Rest der Welt fehlt?

Ich wohne seit 1970 in Flingern, Flingern war für mich immer schön. Ich bin in Derendorf geboren, in Lierenfeld groß geworden, überall schön, aber ich hab jetzt zu Flingern den größten Bezug. Alles nette Leute. Zum Beispiel wenn ich hier raus muss, mit dem Ausräumen: Ob das die Feuerwehr ist, oder meine Leute, alle sagen: wir helfen dir! Und die Meisten, die ich kenne, die sind alle clever. Die können sich alle durchsetzten, stecken nicht gleich den Kopf in den Sand. Die wissen auch alle, was sie wollen. Die sind auch alle ehrlich. Und dann ist Flingern natürlich auch die Keimzelle der Fortuna, am Flinger Broich. Und der Toten Hosen, die haben hier nebenan auf der Fortunastraße gewohnt. Nur gespielt haben die hier nicht, weil dann reißen dir die Fans die Bude auseinander. Aber die waren bei den Fischli-Partys, bei den Tote Hosen-Partys dabei; dann kommt entweder der Patrick Orth, oder der Vom oder der Campi, der Andy, und die kommen auch sonst ab und zu hier rein.

Anmerkungen zum Interview:

Ende des Jahres ist übrigens Schluß im Fortuna Eck, dann macht Moni zu, das hat sie ihren Kindern versprochen.

Den Namen haben Fortuna Eck und Fortuna-Straße vom Kultverein Fortuna Düsseldorf. Am 11. Juni 1933 gewannen die damaligen Fortunen mit einem 3:0 Sieg gegen den FC Schalke 04 die deutsche Meisterschaft. Seit 11. August 1933 hatte die Fortunastraße ihren Namen. Mit der Jahreszahl liegt ein tiefer Schatten auf dem Straßennamen. In diesem Jahr kamen die Nazionalsozialisten an die Macht, zerstörten die junge Demokratie der Weimarar Republik, und führten Deutschland in das größte Desaster der Europäischen Geschichte.

Zur Stadtentwicklung hat der Flingeraner und pensionierte Akademische Oberrat für Kulturgeographie Helmut Schneider mal einen interessanten Vortrag gehalten.