Verlorengegangenen den Weg zurück ebnen

Wie entsteht radikales Gedankengut? Aus Unbehagen, Enttäuschung, schließlich Zorn. Da haben wir entweder Personen, die ihrer geregelten Arbeit nachgehen, ihren Garten pflegen, die Kinder erziehen, und dabei eine Regelhaftigkeit und Ordnung pflegen, nach der sie ihren Alltag strukturierten. Oder wir haben Personen, die Regeln und Ordnungen zwar schätzen, aber trotzdem eigene Koordinaten für die Strukturierung ihres Alltags haben. Sie  schätzen das Unkalkulierbare als Würze ihres Lebens und sind bereit, Kompromisse zu machen.

Beides sind ehrbare, notwendige, staatstragende  Positionen. Mit einer Vielzahl weiterer Positionen daneben und dazwischen. Werden diese Positionen durch Veränderungen im Berufsleben, neue Unterhaltungs- und Konsumangebote oder gesellschaftliche Perspektivwechsel gestört, entsteht Radikalität. Wer sich in der Einhaltung seiner Ordnung gestört fühlt, wird zunächst offen für radikale Theorien und in Einzelfällen für terroristische Handlungen.

Auffällig ist, dass sich diese Offenheit für Radikales inzwischen weltweit verbreitet. In den USA, in UK, Polen, Ungarn, Deutschland oder Türkei sind inzwischen Verführer an der Macht, die zwar mehr oder weniger demokratisch gewählt wurden, sich der Demokratie aber nicht verpflichtet fühlen.

Sie stützen sich auf zwei in den letzten Jahren erstarkte Phänomenen: Soziale Medien und Soziale Friktionen. Gerade in der so genannten Mittelschicht, einer bis in die Nullerjahre noch einigermaßen homogenen, relativ wohlsituierten Bevölkerungsgruppe, entstanden durch Globalisierung und Digitalisierung enorme Zentrifugal- und Zentripetalkräfte.

Viele rutschten von den Rändern nach unten, viele vom Rand mehr ins Zentrum. Wer abrutschte, geriet direkt in die Fänge der Verführer. Wer aufrückte, versuchte, die Gründe für seinen von außen erzeugten Erfolg zu zementieren. Abschottungsverhalten paarte sich mit Enttäuschung, Abgrenzung mit Zorn. In den USA und UK macht die beschriebene Gruppe jeweils knapp mehr als die Hälfte, in Deutschland bundesweit inzwischen je nach Bundesland ein Fünftel bis ein Drittel der Bevölkerung aus.

Aufgabe hierzulande an Politik, Kirchen, Presse und Bürgerbewegungen ist, diese Leute wieder in die Gemeinschaft zu holen. Ihnen müssen Wege zurück zu uns gebaut werden.

Ein Gedanke zu „Verlorengegangenen den Weg zurück ebnen“

  1. Problem erkannt, aber der letzte Satz ist keine Antwort darauf.
    Es sind Politik, Religion, “Presse & Wirtschaft” , der Stillstand der Philosophie – die uns den aktuellen Stand der Dinge so unerträglich erscheinen lassen.

    Es ist an jedem Einzelnen.

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